Das Klosensingen in Wangen im Allgäu

An jedem 5. Dezember, dem Nikolausabend, wird in der Stadt Wangen im Allgäu die Tradition des sogenannten Klosensingens ausgeübt. Das alte Brauchtum, das seine Wurzeln im Mittelalter hat, wird bis heute von Sängern in Ehren gehalten. Dabei werden in den Straßen der Altstadt spezielle, nur noch in Wangen zu hörende Lieder vorgetragen.

Woher der Brauch kommt

Historisch geht das Nikolaussingen auf die Zeit zurück, in der Chorknaben der städtischen Lateinschule (nachweisbar ab 1329) am Vorabend des Namenstags des Heiligen Nikolaus von Myra in den Gassen und Straßen der alten Reichsstadt sangen, um für sich und einen Knaben-Nikolaus Gaben zu erheischen. Nikolaus erfuhr als Patron der Schüler bei diesen eine besondere Verehrung. Das Fest wurde deshalb an beinahe allen Lateinschulen, in Klöstern und Bischofssitzen mit einem besonderen Brauchtum umgeben. Während der Hausbesuch eines Bischofs mit seinem Begleiter in einst katholische geprägten Gebieten noch weithin bekannt ist, verschwand allerorten das begleitende Singen. Lediglich in der einstigen  Reichsstadt Wangen erhielt es sich. Verbunden worden war das Brauchtum ab 1590 mit vier im örtlichen Spital aufgenommenen Waisenknaben, den sogenannten Patemisten. Heute wird es von einer Gruppe von jungen und reiferen Männern weitergeführt, die sich nur zu diesem Zweck am Nikolausabend versammelt.

Das älteste bekannte Lied der Region?

Bis zum heutigen Tag präsentieren die Klosensänger ihre überlieferten Lieder, besonders stolz das lateinische Lied „Nicolai festo“, zu Deutsch „am Festtag des Nikolaus“. Dieses Lied stellt insofern eine Ausnahmeerscheinung dar, als dass es eines der ältesten bekannten Lieder der ganzen Region ist. Sprach- und Liedforscher vermuten einen Ursprung im 14. oder 15. Jahrhundert. Es wurde seitdem rein mündlich durch die Brauchausübung erhalten. Neben diesem werden sieben andere Lieder in deutscher Sprache vorgetragen, die sich erhalten haben und vor allem die Elternliebe und der Wunsch nach Frömmigkeit besingen.

Eine festliche Stimmung bringen die Klosensänger durch ihr Singen zu den älteren Einwohnern in den Altenheimen der Stadt als auch zu Kindern und ihren Familien in deren Nikolausfeier. Die Lieder erklingen danach in der Dunkelheit der Gassen, auf den Plätzen als auch in den Gastwirtschaften der Altstadt. Dabei ist zu spüren, dass viele einheimische Zuhörer dieses Brauchtum schätzen, sogar darauf warten, während zufällig in Wangen verweilende auswärtige Gäste oft positiv ins Staunen kommen.

Brauchtum verbunden mit sozialem Engagement

Die Bewahrung dieses lokalen Kulturschatzes wird heute verbunden mit der Unterstützung für einen karitativen Zweck. Während früher Nüsse, Äpfel oder eine sogenannte „Singete“, ein Apfel-Birnenbrot ersungen wurde, sammeln die heutigen Klosensänger für einen sozialen Zweck. Dieser Nebeneffekt des ehrwürdigen Brauchtum zeigt, dass die Klosensänger ganz im Sinne ihres Namenspatrons unterwegs sind.